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so einfach man sich das vorstellt, so aufwühlend ist es. von vornherein, währendessen weniger und im nachhinein erst recht.
besuchszeiten in der justizanstalt simmering fangen sehr früh an, und hören auf wenn studenten normalerweise wach werden.
fährt man mit der straßenbahn, so kommt man am zentralfriedhof vorbei und hätte man musik im ohr, so würde irgendwas von "air" am besten passen. melancholisch leicht, ein bisschen irreal und ein bisschen zu komisch. so eine spur zu romantisch.
die sitzbänke sind leer, den wenigen menschen, die noch drin sitzen, möchte man ansehen dass sie ins gefängnis fahren. es sind 2 frauen mit kinderwagen und eine mit einem kleinkind an der hand. ich folge ihnen unauffällig.
der besuchereingang befindet sich irgendwo auf der seite, es gibt keine hinweisschilder, die türen sind so schwer dass zwei frauen ziehen oder drücken müssen. routiniert packen wir unsere wertsachen und taschen in plexiglas-spints. überhaupt ist hier alles etwas durchsichtiger als anderswo. der bodycheck bleibt gemütlich, meine antwort "das sind nur die schlüssel" reicht dem beamten, vergewissern tut er sich nicht. das wartezimmer, zu 2/3 durchsichtig, gleicht anderen wartezimmern. blumen auf jedem der drei tischchen und fenster, hellgelbe wände und farbige moderne kunst geben ein gutes gefühl. ich überlege ob die gelbe wände- grauer boden kombi getestet wurde und bewusst gewählt.. die kleinen kinder werden unruhig, ansonsten regt sich keiner auf.
im halbstunden-takt werden zuvor verteilte nummern aufgerufen, das zeichen für die besucher, sich zu den kabinen weiterzubewegen. kurz vor einem besucherwechsel stehen schon die meisten vor der tür. hier fällt zum ersten mal auf dass die fenster vergittert sind. und die grauen wände (kombiniert mit dem immer noch grauen boden) fallen negativ auf.
vor dem betreten der besucherzone wird noch einmal die identität geprüft. ich frage, wo denn mein besuchter säße, da ich ihn nur von einem flüchtigen treffen vorm sommer kannte. man deutet auf die "sicherheitszone".
und da sitze ich ihm nun gegenüber, dem unglücklichen straftäter (und ich möchte betonen dass ich immer noch nicht weiß, wofür er eigentlich verurteilt wurde). ein freundliches lächeln, ich spreche "hallo" bevor wir uns daran machen die telefonhörer aus der halterung zu nehmen. das geht strenger als erwartet und die ruckartigen bewegungen missfallen mir, die sich beobachtet fühlt. wir begrüßen uns, er fragt mich, wie es mir geht und ich finde es schlimm, denn es darf doch um niemanden anderen gehn als um ihn.
er ist unglücklich, verdammt das denken, dass ihn den ganzen tag verfolg. wir sind uns einig, zuviel davon kann nicht gut sein. er liegt mit noch zwei anderen in einer zelle, deutsch spricht er gar nicht. er kann nicht lesen und schreiben und man stelle sich vor, was das bedeutet, wenn man sehr viel zeit hat.
ich komme schnell auf den punkt, überbringe die informationen, die in ihm wieder ein bisschen hoffnung wecken. und es macht mich fertig zu wissen, dass diese hoffnung schon bald zerstört wird. wenn nicht ein wunder geschieht, wird man ihn zu seiner entlassung gleich wieder in schubhaft nehmen. und er ist entschlossen, sich aus dieser wieder (!) zu hungern. diese drohung ruft in mir bilder hervor, von anderen, die den hungerstreik nicht überlebten.
ich mache mir notizen, er zeigt mir einen brief, den ein anderer für ihn geschrieben hat. er sagt, er hat angst und zurück in sein heimatland bedeute für ihn den tod. da wartet keine familie, denn die wurde ermordet. es geht um korruption, gegen die man sich widersetzen wollte und ethnische zugehörigkeiten, die aggressoren anziehen.
ich verspreche, mich nochmal mit den rechtsfragen auseinanderzusetzen um ihn dann wieder zu besuchen. als beraterin darf ich auch außerhalb der besuchszeiten kommen, und das nächste mal länger bleiben.
nach 30 minuten ertönt ein signal, man muss auflegen, einander winken, sich umdrehen und gehen.

draußen hat das scheußliche wetter sich breit gemacht, das wort "verlassen" geht mir nicht aus dem kopf. in der straßenbahn ein buch lesen erscheint mir unmöglich. er kann weder mit der straßenbahn irgendwohin fahren, noch irgendetwas lesen.
er ist 20 jahre alt. verbringt den großteil seiner zeit in österreich im gefängnis. er sieht ein, dass straftaten bestraft werden müssen, aber verachtet die schubhaft als unzumutbares wegsperren von menschen, die als vermeintliche bedrohung irgendeiner ordnung, allen im wege zu stehen scheinen.

gerade volljährig hat er sein land verlassen, um hier die chance zu bekommen.. eine chance zu bekommen. wie träume aussehen kann man oft nur schwer beschreiben, aber man erkennt das leiden, wenn man es spürt. ein bedrohtes leben rechtfertigt seine flucht, beschreibt in gebrochenem englisch gründe, wege und bitten. und man wirft ihm ein "nein" hin, man glaube ihm nicht, und deswegen wolle man ihn nicht hier haben.
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25.2.06 14:45
 


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